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IT-Recruiting im Wandel: Active Sourcing neu denken
Der Hays Fachkräfte-Index IT zeigt im zweiten Quartal 2026 erstmals einen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach IT-Experten im DACH-Raum. Doch während die Quantität sinkt, steigen die Anforderungen an Recruiting-Strategien – besonders bei der gezielten Ansprache von Talenten.
Lena Bachmann
17. August 2026
Der aktuelle Hays Fachkräfte-Index IT dokumentiert eine Trendwende: Nach Jahren des Fachkräftemangels geht die Nachfrage nach IT-Spezialisten im DACH-Raum spürbar zurück. Besonders betroffen sind klassische Bereiche wie Softwareentwicklung und IT-Consulting, während Nischen wie Cybersecurity noch Stabilität zeigen. Diese Entwicklung markiert das Ende einer Phase, in der Unternehmen nahezu jeden Kandidaten einstellen konnten. Für Recruiter bedeutet dies, dass Quantität nicht mehr der primäre Erfolgsfaktor ist – stattdessen rücken Präzision und Candidate Experience in den Fokus. [1]
Active Sourcing bleibt trotz sinkender Nachfrage ein zentrales Instrument, um vakante Positionen zu besetzen. Plattformen wie LinkedIn, XING oder spezialisierte Netzwerke wie freelancermap ermöglichen die gezielte Ansprache passiver Kandidaten. Doch die Methode erfordert Anpassungen: Während früher Volumen im Vordergrund stand, geht es nun darum, individuelle Profile präzise zu analysieren und persönliche Ansprache zu gestalten. Unternehmen, die hier auf Standardvorlagen setzen, verlieren potenzielle Talente an Wettbewerber mit maßgeschneiderten Strategien. [3]
Datengetriebenes Recruiting gewinnt an Bedeutung, um in einem enger werdenden Markt effizient zu agieren. KPIs wie Time-to-Hire oder Quality-of-Hire helfen, Prozesse zu optimieren und die Candidate Journey zu verbessern. Allerdings verschieben sich die Prioritäten: Während früher die Geschwindigkeit der Besetzung im Vordergrund stand, rückt nun die langfristige Passgenauigkeit in den Mittelpunkt. Tools von Anbietern wie softgarden oder GOhiring unterstützen dabei, diese Kennzahlen zu messen und Recruiting-Strategien datenbasiert anzupassen. [4][5]
Die tarifrechtlichen Rahmenbedingungen im DACH-Raum beeinflussen die Rekrutierung weiterhin stark. In Deutschland setzen Branchentarifverträge wie die der IG Metall Mindeststandards für Gehälter und Arbeitsbedingungen, während in Österreich Kollektivverträge für den IT-Sektor gelten. Die Schweiz hingegen kennt keine flächendeckenden Tarifverträge, doch Gewerkschaften wie Syndicom prägen die Arbeitsbedingungen in der Branche. Diese Unterschiede erfordern länderspezifische Recruiting-Strategien, insbesondere bei der Ansprache von Kandidaten mit internationalen Karriereoptionen. [2]
Die Stabilität der Nachfrage nach Cybersecurity-Experten zeigt, dass nicht alle IT-Bereiche gleichermaßen von der Konsolidierung betroffen sind. Unternehmen investieren weiterhin in Sicherheitsexpertise, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und digitale Risiken zu minimieren. Für Recruiter bedeutet dies, dass sie ihre Active-Sourcing-Strategien differenzieren müssen: Während in einigen Bereichen die Suche nach Kandidaten schwieriger wird, bleiben andere Nischen hart umkämpft. Eine enge Zusammenarbeit mit Fachabteilungen ist entscheidend, um die spezifischen Anforderungen zu verstehen und passende Talente zu identifizieren. [1]
Die Candidate Experience wird zum entscheidenden Faktor, um in einem wettbewerbsintensiven Umfeld Talente zu gewinnen. Lange Wartezeiten, unpersönliche Kommunikation oder intransparente Prozesse führen dazu, dass Kandidaten abspringen – selbst wenn das Angebot attraktiv ist. Unternehmen, die hier punkten wollen, müssen ihre Recruiting-Prozesse straffen und klare Kommunikation sicherstellen. Tools wie Chatbots oder automatisierte Statusupdates können helfen, ohne die persönliche Note zu verlieren. Gleichzeitig sollten Recruiter Feedback einholen, um Schwachstellen zu identifizieren und kontinuierlich zu verbessern. [4]
Die aktuelle Marktentwicklung erfordert eine Neuausrichtung der Recruiting-Strategien. Unternehmen müssen lernen, mit weniger Kandidaten mehr zu erreichen – und das gelingt nur durch Präzision, Datenanalyse und eine starke Candidate Experience. Active Sourcing bleibt ein mächtiges Werkzeug, doch es muss gezielter und individueller eingesetzt werden. Gleichzeitig gilt es, die länderspezifischen Rahmenbedingungen im DACH-Raum zu berücksichtigen und Recruiting-Prozesse kontinuierlich zu optimieren. Wer diese Herausforderungen meistert, sichert sich auch in einem engeren Markt die besten Talente. [1][3][4]
Hintergrund
Der DACH-Raum war über Jahre geprägt von einem akuten Fachkräftemangel in der IT-Branche, der Unternehmen dazu zwang, innovative Recruiting-Strategien zu entwickeln. Active Sourcing etablierte sich als Standardmethode, um passive Kandidaten zu erreichen, während datengetriebene Ansätze die Effizienz steigerten. Doch die aktuelle Konsolidierung des Marktes stellt Recruiter vor neue Herausforderungen: Weniger offene Stellen bedeuten nicht weniger Wettbewerb, sondern höhere Anforderungen an Präzision und Candidate Experience. Gleichzeitig bleiben tarifrechtliche Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz ein zentraler Faktor für die Rekrutierung.
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