HR & People Management Insights
Jobsicherheit überholt Gehalt als Top-Kriterium

Foto: Photo by Mika Baumeister on Unsplash

Mitarbeiterbindung & Engagement

Jobsicherheit überholt Gehalt als Top-Kriterium

Eine aktuelle Studie zeigt: 2026 priorisieren Beschäftigte im DACH-Raum langfristige Stabilität stärker als monetäre Anreize. Unternehmen müssen ihre Retention-Strategien anpassen, um Vertrauen und Transparenz zu stärken. Besonders die interne Kommunikation rückt in den Fokus.

Lena Bachmann

7. Juli 2026

Im Jahr 2026 hat Jobsicherheit das Gehalt als wichtigstes Kriterium bei der Arbeitgeberwahl im DACH-Raum abgelöst. Diese Verschiebung spiegelt ein verändertes Bedürfnis nach langfristiger Stabilität wider, das durch wirtschaftliche Unsicherheit und demografische Entwicklungen verstärkt wird. Besonders in Deutschland und Österreich, wo gesetzliche Rahmenbedingungen wie Kündigungsschutz und betriebliche Mitbestimmung die Erwartungen an Arbeitsplatzsicherheit prägen, wird dieser Trend deutlich. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Attraktivität neu zu definieren – weg von rein finanziellen Anreizen hin zu vertrauensbildenden Maßnahmen. [1][2][4]

Die Gründe für diesen Prioritätenwechsel sind vielschichtig. Wirtschaftliche Volatilität, ausgelöst durch globale Krisen, hat bei Beschäftigten ein verstärktes Sicherheitsbedürfnis geschaffen. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer:innen, die zunehmend Wert auf langfristige Perspektiven legen. Besonders die Generation Z und jüngere Millennials bewerten Purpose, Work-Life-Balance und psychologische Sicherheit höher als rein finanzielle Benefits. Diese Entwicklung erfordert von Unternehmen eine Neuausrichtung ihrer Employer-Branding-Strategien, um den veränderten Erwartungen gerecht zu werden. [1][3]

In Deutschland spielt der gesetzliche Kündigungsschutz eine zentrale Rolle bei der Erwartungshaltung an Jobsicherheit. Tarifverträge in Branchen wie der Metall- und Elektroindustrie enthalten oft Standortgarantien, die diese Erwartungen zusätzlich verstärken. Unternehmen reagieren darauf mit sogenannten „Psychological Contracts“ – impliziten Zusagen zu langfristiger Beschäftigung, die über interne Kanäle kommuniziert werden. Besonders in Ostdeutschland ist die Priorisierung von Jobsicherheit aufgrund historischer Erfahrungen mit Arbeitsplatzverlusten ausgeprägt. Diese regionalen Unterschiede erfordern eine differenzierte Herangehensweise an die Mitarbeiterbindung. [1][4]

Österreichs Arbeitsverfassungsgesetz stärkt die betriebliche Mitbestimmung und schafft damit ähnliche Rahmenbedingungen wie in Deutschland. Hier setzen Unternehmen vermehrt auf transparente Krisenkommunikation, um Vertrauen in die langfristige Stabilität des Arbeitsplatzes zu signalisieren. In der Schweiz zeigt sich ein vergleichbarer Trend: Eine Mehrheit der Mitarbeitenden wünscht sich klare und offene Kommunikation in unsicheren Zeiten. Diese Erwartungshaltung macht interne Kommunikation zu einem zentralen Hebel für die Mitarbeiterbindung. Tools wie Mitarbeiter-Apps oder personalisierte Audio-Updates gewinnen dabei an Bedeutung. [4][7]

Pulse Surveys haben sich als wirksames Instrument erwiesen, um frühzeitig auf Desengagement und Unsicherheit bei Mitarbeitenden zu reagieren. Unternehmen, die quartalsweise oder sogar monatlich kurze Umfragen durchführen, verzeichnen eine deutlich niedrigere Fluktuation als solche mit jährlichen Befragungen. Diese regelmäßigen Feedbackschleifen ermöglichen es HR-Teams, schnell auf Veränderungen im Mitarbeiterengagement zu reagieren und gezielt Maßnahmen einzuleiten. Besonders in unsicheren Zeiten können solche Instrumente helfen, Vertrauen aufzubauen und die Bindung zum Arbeitgeber zu stärken. [6]

Die Bedeutung von Vertrauen in die Unternehmensführung als Prädiktor für Mitarbeiterbindung unterstreicht die Notwendigkeit einer authentischen und konsistenten Kommunikation. Unternehmen, die ihre Führungskräfte in transparenter Krisenkommunikation schulen und regelmäßige Dialogformate etablieren, schaffen eine Kultur der Offenheit. Dies gilt insbesondere für Branchen mit hoher Volatilität, wie Logistik oder Produktion, wo Unsicherheit besonders spürbar ist. Hier können klare Botschaften und eine proaktive Informationspolitik die Wahrnehmung von Jobsicherheit maßgeblich beeinflussen. [6][7]

Um den neuen Prioritäten der Beschäftigten gerecht zu werden, müssen Unternehmen ihre Retention-Strategien grundlegend überdenken. Statt auf kurzfristige monetäre Anreize zu setzen, sollten sie langfristige Stabilität und Vertrauen in den Mittelpunkt stellen. Dies erfordert eine Kombination aus transparenter Kommunikation, regelmäßigen Feedbackschleifen und einer klaren Positionierung als verlässlicher Arbeitgeber. Nur so lässt sich die Bindung der Mitarbeitenden nachhaltig stärken – und die Fluktuation wirksam senken. [1][2]

Hintergrund

Die Verschiebung hin zu Jobsicherheit als Top-Kriterium bei der Arbeitgeberwahl ist im DACH-Raum besonders ausgeprägt. Während in Deutschland und Österreich gesetzliche Rahmenbedingungen wie Kündigungsschutz und betriebliche Mitbestimmung die Erwartungen prägen, zeigt sich in der Schweiz ein ähnliches Bild – wenn auch mit stärkerem Fokus auf transparente Krisenkommunikation. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Retention-Strategien an diese neuen Prioritäten anzupassen, um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können.

Weitere Beiträge

Ladderdodging: Warum Fachkräfte Führungsjobs meiden
Mitarbeiterbindung & Engagement

Ladderdodging: Warum Fachkräfte Führungsjobs meiden

Lena Bachmann·22. Oktober 2026

Immer mehr Beschäftigte im DACH-Raum lehnen Beförderungen ab, selbst wenn diese mit Gehaltssteigerungen verbunden sind. Der Trend „Ladderdodging“ stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen – traditionelle Karrierepfade verlieren an Attraktivität. Wie HR-Teams darauf reagieren können, zeigt dieser Überblick.

Menstruation am Arbeitsplatz: Tabus brechen
Mitarbeiterbindung & Engagement

Menstruation am Arbeitsplatz: Tabus brechen

Lena Bachmann·1. Oktober 2026

Fast die Hälfte der menstruierenden Beschäftigten im DACH-Raum empfindet ihre Periode am Arbeitsplatz als belastend. Unternehmen, die gezielte Maßnahmen einführen, steigern nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Mitarbeiterbindung. Doch wie gelingt der Kulturwandel?