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Lohnrunde 2024: Druck auf DACH-Arbeitgeber wächst

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Lohnrunde 2024: Druck auf DACH-Arbeitgeber wächst

Die Frühjahrslohnrunde 2024 im DACH-Raum steht unter dem Zeichen hoher Forderungen und gesetzlicher Neuerungen. Während in Österreich Streiks drohen, verhandeln deutsche und Schweizer Unternehmen über Gehaltsanpassungen im Spannungsfeld von Inflation und Fachkräftemangel. Die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verschärft den Handlungsdruck.

Lena Bachmann

16. Mai 2026

In Österreich eskalieren die Verhandlungen der Frühjahrslohnrunde 2024. Gewerkschaften wie PRO-GE und vida fordern deutliche Lohnerhöhungen, um die Kaufkraft der Beschäftigten zu sichern. Besonders betroffen sind Schlüsselbranchen wie die Industrie und der Tourismussektor, in denen bereits Warnstreiks als Druckmittel eingesetzt werden. Die Verhandlungen für rund 130.000 Industriearbeiter und über 200.000 Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie gestalten sich zäh, da Arbeitgeber vor einer Lohn-Preis-Spirale warnen. Die jüngste Einigung in der chemischen Industrie zeigt jedoch, dass Kompromisse möglich sind – wenn auch mit erheblichen Zugeständnissen. [1][2][3]

Deutschland steht vor ähnlichen Herausforderungen, allerdings mit anderen Rahmenbedingungen. Hier verhandeln Gewerkschaften wie IG Metall und ver.di dezentral mit Arbeitgeberverbänden über Tarifverträge. Die prognostizierten Gehaltssteigerungen liegen deutlich über dem Vorjahresniveau, was auf den anhaltenden Fachkräftemangel und die hohe Inflation zurückzuführen ist. Gleichzeitig müssen Unternehmen die Vorgaben der EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen, die bis Mitte 2026 in nationales Recht überführt werden muss. Diese Richtlinie verpflichtet Arbeitgeber zu mehr Transparenz bei Gehaltsstrukturen und soll geschlechtsspezifische Lohnungleichheiten bekämpfen. [4][7]

Die Schweiz geht einen anderen Weg. Hier gibt es keine gesetzliche Lohntransparenzpflicht, und Tarifverträge spielen eine geringere Rolle als in Deutschland oder Österreich. Stattdessen werden Löhne oft individuell oder über Gesamtarbeitsverträge (GAV) geregelt. Dennoch stehen auch Schweizer Unternehmen unter Druck, da freiwillige Initiativen wie der „Equal Pay Day“ die Diskussion über faire Bezahlung vorantreiben. Die Lohnrunde 2024 ist hier weniger von Streiks geprägt, aber der Fachkräftemangel zwingt viele Arbeitgeber zu Gehaltsanpassungen, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten. [5]

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie stellt für Unternehmen im DACH-Raum eine zusätzliche Herausforderung dar. In Deutschland und Österreich müssen bis 2026 Gesetze angepasst werden, die Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden zur Offenlegung von Gehaltsstrukturen verpflichten. Dies soll nicht nur die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen fördern, sondern auch die Verhandlungsposition der Beschäftigten stärken. In der Schweiz, die nicht direkt an die EU-Richtlinie gebunden ist, könnten ähnliche Regelungen dennoch durch freiwillige Selbstverpflichtungen Einzug halten. [7][8]

Die unterschiedlichen Verhandlungsstrategien in den drei Ländern zeigen, wie stark die Lohnpolitik von nationalen Rahmenbedingungen abhängt. Während in Österreich die Kollektivvertragsverhandlungen zentral gesteuert werden, setzen deutsche Gewerkschaften auf dezentrale Tarifverhandlungen. In der Schweiz fehlt eine vergleichbare Struktur, was zu individuelleren Lösungen führt. Dennoch eint alle drei Länder der Druck, auf Inflation und Fachkräftemangel mit höheren Löhnen zu reagieren – ohne dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu gefährden. [1][2][5]

Für Arbeitgeber im DACH-Raum bedeutet dies, dass sie sich auf höhere Lohnkosten einstellen müssen – sei es durch Tarifabschlüsse, individuelle Gehaltsanpassungen oder die Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie. Gleichzeitig bietet die aktuelle Lohnrunde die Chance, durch faire und transparente Gehaltsstrukturen die Mitarbeiterbindung zu stärken. Unternehmen, die frühzeitig auf die neuen Anforderungen reagieren, können sich als attraktive Arbeitgeber positionieren und langfristig von einer motivierten Belegschaft profitieren. [7][8]

Die Frühjahrslohnrunde 2024 zeigt: Lohnverhandlungen sind kein rein finanzielles Thema, sondern auch eine Frage der Unternehmenskultur. Arbeitgeber, die Transparenz und Fairness in den Mittelpunkt stellen, können nicht nur gesetzliche Vorgaben erfüllen, sondern auch die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter erhöhen. Dies gilt besonders in Branchen mit akutem Fachkräftemangel, wo qualifizierte Arbeitskräfte zwischen mehreren Angeboten wählen können. Die aktuelle Lohnrunde ist damit auch ein Test für die Zukunftsfähigkeit der DACH-Wirtschaft. [1][5]

Hintergrund

Die Lohnrunde 2024 im DACH-Raum steht im Zeichen wirtschaftlicher und gesetzlicher Umbrüche. Während Österreich mit zentralisierten Kollektivvertragsverhandlungen und drohenden Streiks konfrontiert ist, setzen Deutschland und die Schweiz auf unterschiedliche Modelle – von dezentralen Tarifverträgen bis zu individuellen Lösungen. Die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verschärft den Handlungsdruck, insbesondere in Deutschland und Österreich, wo Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden zu mehr Offenheit verpflichtet werden. Die Schweiz bleibt hier flexibler, steht aber ebenfalls unter dem Druck des Fachkräftemangels.

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